Psychische Gesundheitsprobleme haben bei jungen Erwachsenen im letzten Jahrzehnt erheblich zugenommen

Der Prozentsatz junger Amerikaner, die an bestimmten Arten von psychischen Störungen leiden, ist laut einer von der American Psychological Association veröffentlichten Studie in den letzten zehn Jahren deutlich gestiegen, ohne dass ein entsprechender Anstieg bei älteren Erwachsenen zu verzeichnen war.

„Ende der 2010er Jahre erlebten mehr US-Jugendliche und junge Erwachsene als Mitte der 2000er Jahre ernsthafte psychische Belastung, schwere Depressionen oder Selbstmordgedanken und mehr Selbstmordversuche“, sagte der Hauptautor Jean Twenge, PhD, Autor des Buches „iGen“ und Professor für Psychologie an der San Diego State University. „Diese Trends sind bei Erwachsenen ab 26 Jahren schwach oder nicht vorhanden, was auf einen Generationswechsel bei Stimmungsstörungen statt auf eine allgemeine Zunahme in allen Altersgruppen hindeutet.

Die Forschung wurde im Journal of Abnormal Psychology veröffentlicht.

Twenge und ihre Koautoren analysierten Daten aus der National Survey on Drug Use and Health, einer landesweit repräsentativen Umfrage, die seit 1971 den Drogen- und Alkoholkonsum, die psychische Gesundheit und andere gesundheitsbezogene Fragen bei Personen ab 12 Jahren in den Vereinigten Staaten verfolgt. Sie untersuchten die Antworten von mehr als 200.000 Jugendlichen im Alter von 12 bis 17 Jahren von 2005 bis 2017 und fast 400.000 Erwachsenen im Alter von 18 Jahren und darüber von 2008 bis 2017.

Die Rate der Personen, die in den letzten 12 Monaten Symptome meldeten, die mit einer schweren Depression übereinstimmen, stieg von 2005 bis 2017 bei Jugendlichen um 52 Prozent (von 8,7 Prozent auf 13,2 Prozent) und von 2009 bis 2017 bei jungen Erwachsenen im Alter von 18 bis 25 Jahren um 63 Prozent (von 8,1 Prozent auf 13,2 Prozent). Auch bei den jungen Erwachsenen, die in den vorangegangenen 30 Tagen von 2008 bis 2017 schwere psychische Probleme hatten, gab es einen Anstieg um 71 Prozent (von 7,7 Prozent auf 13,1 Prozent). Die Rate junger Erwachsener mit Selbstmordgedanken oder anderen suizidbezogenen Ergebnissen stieg von 2008 bis 2017 um 47 Prozent (von 7,0 Prozent auf 10,3 Prozent).

Der Prozentsatz älterer Erwachsener, die in den entsprechenden Zeiträumen an Depressionen oder psychischen Problemen litten, stieg nicht signifikant an. Die Forscher sahen sogar einen leichten Rückgang der psychischen Belastung bei Personen über 65 Jahren.

„Kulturelle Trends der letzten zehn Jahre hatten möglicherweise einen größeren Einfluss auf Stimmungsstörungen und suizidbezogene Ergebnisse bei den jüngeren Generationen als bei den älteren Generationen“, sagte Twenge, der glaubt, dass dieser Trend teilweise auf die verstärkte Nutzung elektronischer Kommunikation und digitaler Medien zurückzuführen sein könnte, die möglicherweise die Art der sozialen Interaktion so stark verändert haben, dass sie sich auf Stimmungsstörungen auswirken. Sie stellte auch fest, dass die Forschung zeigt, dass junge Menschen nicht mehr so viel schlafen wie in früheren Generationen.

Der Anstieg der Nutzung digitaler Medien könnte einen größeren Einfluss auf Teenager und junge Erwachsene gehabt haben, weil das soziale Leben älterer Erwachsener stabiler ist und sich möglicherweise weniger verändert hat als das soziale Leben von Teenagern in den letzten zehn Jahren, sagte Twenge. Ältere Erwachsene nutzen digitale Medien möglicherweise auch weniger häufig in einer Weise, die den Schlaf beeinträchtigt – sie sind beispielsweise besser in der Lage, nicht lange aufzubleiben oder mitten in der Nacht zu telefonieren.

„Diese Ergebnisse legen nahe, dass mehr Forschung nötig ist, um zu verstehen, wie digitale Kommunikation im Vergleich zur persönlichen sozialen Interaktion Stimmungsstörungen und suizidbezogene Ergebnisse beeinflusst, und um spezielle Interventionen für jüngere Altersgruppen zu entwickeln“, sagte sie.

Da der Anstieg der psychischen Gesundheitsprobleme nach 2011 am stärksten war, ist Twenge der Ansicht, dass es unwahrscheinlich ist, dass er auf genetische oder wirtschaftliche Probleme zurückzuführen ist, sondern eher auf plötzliche kulturelle Veränderungen, wie z.B. Veränderungen in der Art und Weise, wie Teenager und junge Erwachsene ihre Zeit außerhalb von Arbeit und Schule verbringen. Wenn dem so ist, könnte das eine gute Nachricht sein, sagte sie.

„Junge Menschen können ihre Genetik oder die wirtschaftliche Situation des Landes nicht ändern, aber sie können wählen, wie sie ihre Freizeit verbringen. Das erste und wichtigste ist es, genügend Schlaf zu bekommen. Stellen Sie sicher, dass die Benutzung Ihrer Geräte den Schlaf nicht beeinträchtigt – bewahren Sie nachts keine Telefone oder Tabletten im Schlafzimmer auf und legen Sie die Geräte innerhalb einer Stunde nach dem Schlafengehen ab“, sagte sie. „Stellen Sie insgesamt sicher, dass die Nutzung digitaler Medien nicht Aktivitäten stört, die für die psychische Gesundheit vorteilhafter sind, wie z.B. soziale Interaktion von Angesicht zu Angesicht, Bewegung und Schlaf.

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